17.12.2015
Author: Markus Maier

Gegenüberstellung Liferay Communitiy Edition (CE) und Enterprise Edition (EE)

Liferay Portal ist die derzeit führende Open Source Software für Portallösungen. Es wurde vom Analysten Gartner als führende Enterprise-Software für horizontale Portale bewertet. Liferay Portal ist geeignet für Mitarbeiterportale/Intranets, Unternehmensportale, Kunden- und Partnerportale. Eingesetzt wird es bei großen Konzernen und Organisationen, im Mittelstand und im öffentlichen Bereich.

Liferay Portal ist in zwei Versionen verfügbar, die technisch und funktional weitestgehend identisch sind: als kostenfreie Community-Edition Liferay Portal CE sowie als kostenpflichtige Enterprise-Edition. Im Gegensatz zu vergleichbarer kommerzieller und proprietärer Portalsoftware (z.B. Microsoft Sharepoint oder IBM Websphere) zahlt der Kunde bei der kostenpflichtigen EE-Version – vereinfacht ausgedrückt – nicht für die Nutzung des Produktes selbst (als Lizenzenzgebühr), sondern für die mit dem Produkt verbundenen Dienstleistungen. Bei Liferay EE bestehen diese als „Subscription“ bezeichneten Pakete aus Support per Mail oder Telefon sowie der Bereitstellung von Sicherheits- und Funktionsupdates.

Dieser Support macht den wesentlichen Unterschied zwischen beiden Versionen aus. Während sich die Basisfunktionen der beiden Portalversionen nur unwesentlich voneinander unterscheiden, sind bestimmte Plugins aus dem Liferay Marketplace allerdings exklusiv für die EE-Version erhältlich. Welche sind das? Für welche Unternehmen lohnt es sich, wegen dieser Funktionen auf die Enterprise-Version zu setzen?

Kaleo Forms in Liferay EE

Standardmäßig wird in Liferay das liferay-eigene Workflow-Engine Kaleo verwendet. Einsatzgebiet sind Veröffentlichungs-Workflows sowie einfache Workflows, die über Formulare gesteuert werden können. Diese können über einen grafischen Workflow-Designer direkt in Liferay gestaltet werden. In der CE-Version müssen die gewünschten Workflows über XML-Dateien entwickelt werden.

Bewertung: Sollen viele Prozesse über Liferay abgebildet werden, so kann dies durchaus nützlich sein. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass Kaleo nur einfache Prozesse zulässt, z.B. ist es nicht möglich, dass innerhalb eines Workflows von verschiedenen Personen verschiedene Felder ausgefüllt werden oder verschiedene Felder sichtbar sind. Dies schränkt den Anwendungsbereich für professionelle Anwendungen deutlich ein. Für derartige Einsatzgebiete ist der Einsatz einer ausgereiften Workflow-Engine wie Activiti oder jBPM nötig. Derartige Workflows können sowohl bei der Liferay CE- als auch Liferay EE-Version mit einem zertifizierten Plugin aus dem Liferay Marketplace integriert werden

Jasper Reports und Report-Portlet

Diese Plugins binden die Open Source Reports engine Jasper in Liferay ein. Sie erlauben die Erstellung und Ausgabe von Datenreports über Liferay, so dass z.B. Nutzer- oder Verkaufszahlen angezeigt werden können.

Bewertung: Über den Marketplace ist das Plugin „Visioneo reports“ erhältlich, welches das Open Source Reporting-Engine BIRT in Liferay integriert. Dieses ist mit Jasper gleichrangig, auch damit lassen sich Reports erstellen.

Audit

Mit diesem Plugin ist es möglich, die Nutzeraktionen im Liferay-Portal zu tracken, z.B. wer hat welche Daten eingetragen oder hochgeladen.

Bewertung: In bestimmten Ländern sind diese Aufzeichnungen verpflichtend. In Deutschland dagegen empfehlen wir den Einsatz aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht. Bei Mitarbeiter- und Partnerportalen muss der Einsatz solcher Werkzeuge auf jeden Fall eng mit dem Datenschutzbeauftragten und – bei Mitarbeiterportalen – auch dem Betriebsrat abgestimmt werden. Für die Nutzungs- und Erfolgskontrolle von Liferay-Portalen empfehlen wir die Integration des Open Source-Tools Piwik. Aus datenschutzrechtlicher Perspektive gehört dieses in Deutschland zu den empfehlenswertesten Statistiktools. Tracking-Ergebnisse lassen sich damit einfach anonymisieren, gleichzeitig erlaubt es auch fortgeschrittenes Monitoring wie z.B. die Verfolgung von Klick-Pfaden. Dies ist wichtig, um die Inhalte optimal aufzubereiten und damit die Effizienz und die User Experience des Portals zu verbessern. Für Piwik stellt Liferay bereits eine Standardschnittstelle zur Verfügung.

Drools

Implementierung des bekannten Rule Engines Drools in Liferay. Damit kann gezielt die Anzeige von Marketinginformationen über die Auswertung von Nutzerprofilen gesteuert werden, z.B. die Anzeige der nächst gelegenen Filiale auf der Website, falls der aktuelle Standort des Nutzers ermittelt werden kann oder der Nutzer bestimmte Seiten besucht hat, die Rückschlüsse auf seine Vorlieben erlauben.

Bewertung: Dies ist eine höchst interessante Funktion für größere Online-Portale mit anonymen Nutzern. Speziell für Mitarbeiterportale und Portale mit eingeloggten Nutzern hat comundus Werkzeuge zur Personalisierung von Inhalten entwickelt, die stattdessen genutzt werden können.

Ehcache Cluster

Die Default-Konfiguration des in Liferay verwendeten Ehcache erzeugt in einem Cluster-Szenario rechnerischeren Overhead. Für die Liferay EE-Version ist für diesen Zweck von Liferay ein spezieller Algorithmus zur Verbesserung der Performance erhältlich.

Bewertung: comundus hat auch mit der CE-Version Cluster aufgebaut und passt die Default-Konfiguration in diesem Fall an. Grundsätzlich kann auch die CE-Version verwendet werden, um hoch skalierbare und ausfallsichere Cluster aufzubauen.

Documentum Connector

Dieses Plugin erlaubt es, Liferay an das DMS Documentum anzubinden.

Bewertung: Ist Documentum beim Unternehmen im Einsatz, so lohnt es sich hier, über die Liferay EE-Version nachzudenken.

Virtual LDAP

Liferay kann mit diesem Plugin als LDAP eingesetzt werden, um z.B. andere Systeme zu steuern, so dass auf ein zentrales LDAP verzichtet werden kann.

Bewertung: Für kleinere Szenarien kann es eine wirtschaftliche Lösung sein, auf ein eigenes LDAP zu verzichten und stattdessen Liferay als LDAP-Server einzusetzen. In komplexeren Anwendungsszenarien, bei denen Nutzer auf mehrere Systeme zugreifen sollen, empfehlen wir allerdings ein eigenständiges LDAP. Aus Sicherheits- und Performancegründen sollte dieses von Liferay getrennt auf einem anderen Server installiert werden.

Sharepoint Connector

Dieses Plugin ermöglicht es, direkt über Liferay auf das Dokumentenverzeichnis eines SharePoint-Portals zuzugreifen.

Bewertung: Auch wenn es nicht die typische Architektur ist, ein Liferay- und SharePoint-Portal parallel zu betreiben, kann dieses Szenario durchaus Sinn machen. Z.B. wenn in einem älteren SharePoint-Portal bereits sehr viele Dokumente gesammelt wurden und aktuelle Collaboration- oder soziale Funktionen durch Liferay ergänzt werden sollen. Mit der Liferay CE-Version lässt sich eine nutzbare Anbindung über eine systemübergreifende Suchengine wie Solr oder Elasticsearch realisieren.

SAML 2.0

SAML (Security Assertion Markup Language) ist ein jüngerer Standard, der es unterschiedlichen Servern bzw. Anwendungen erlaubt, Authentifizierungs- und Autorisierungsinformationen auszutauschen. So kann Single Sign-On (SSO) realisiert werden. Dieses Plugin ermöglicht es, Liferay als SAML 2.0 Identity Provider oder Service Provider zu verwenden.

Bewertung: Für die Realisierung von SSO-Szenarien mit der CE-Version empfehlen wir CAS oder Shibboleth.

OAuth Provider

OAuth ist ebenfalls ein Mechanismus für die Autorisierung und Authentifizierung anderer Anwendungen.

Bewertung: siehe SAML

Sandbox EE

Dieses Plugin erlaubt es, andere Plugins so im Portal laufen zu lassen, dass sie keinen Zugriff auf wichtige Portalfunktionen erhalten. Dadurch können neue Entwicklungen mit geringem Risiko selbst im Live-System getestet werden.

Bewertung: Grundsätzlich empfehlen wir, ein vom Livesystem unabhängiges Testsystem aufzubauen und Erweiterungen und Plugins erst einmal dort ausgiebig zu testen. Bei unternehmenskritischen Anwendungen kann die Nutzung der Sandbox für Neuentwicklungen Sinn machen. Allerdings ist dabei zu beachten, dass komplexere neu entwickelte Portlets im Normalfall auf die Liferay-API zugreifen, sofern nicht grundsätzliche Portalfunktionen mit entsprechendem Aufwand neu entwickelt werden sollen.

Fazit

Hinsichtlich der Funktionalitäten sollten auf jeden Fall die Anforderungen an das zukünftige Portal mit den zusätzlichen Features der Enterprise-Version verglichen werden. Hinsichtlich der Basisfunktionen, Zuverlässigkeit, Stabilität und Ausbaufähigkeit dagegen gibt es unserer Erfahrung nach keinen wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Versionen. Auch die Einhaltung der typischen Compliance-Richtlinien in Unternehmen ist bei beiden Versionen gegeben.